Sucht man im Internet nach einer Definition zum Thema „Empathie“, dann findet man ziemlich überall das Gleiche. Meistens wird Empathie beschrieben als Gabe, die Emotionen der Mitmenschen nachzufühlen und sich vorstellen zu können, was der andere denkt und empfindet. Dazu zählt jedoch auch angemessen zu reagieren.
Dabei ist Empathie weitaus mehr als einfach nur Höflichkeit oder Freundlichkeit. Sie ist viel mehr die Grundlage für gute Beziehungen, für funktionierende Teams und im Großen auch für eine friedliche Gesellschaft.
Gerade in unserer Welt, die von „weiter- schneller-höher“ geprägt ist, wird Empathie immer wichtiger. Da wo Meinungen auseinander gehen oder Missverständnisse im Raum stehen, kommt der Empathie eine Schlüsselposition zu.
In meinen Augen ist die Empathie unsere stärkste menschliche Fähigkeit.
Empathie kommt nicht immer groß und gewaltig daher. In kleinen Momenten zeigt sie sich oft. Wenn z.B. eine Freundin ein Treffen sehr kurzfristig absagt, dann hast du zwei Möglichkeiten zu reagieren. Entweder du bist total verärgert und denkst, das war mal wieder typisch. Kein Verlass. Das ist ein klassisch unempathisches Verhalten. Oder du gehst in die Neutralität und betrachtest die Situation von außen. Der große Unterschied liegt im Wechsel der Perspektive. Anstatt aus der eigenen Verärgerung heraus zu handeln, kannst du versuchen zu verstehen, was mit der Freundin gerade los ist und weshalb sie das Treffen abgesagt hat. Ruf sie an oder schreib ihr und frage sie, was gerade los ist oder wie es ihr geht. Gerade in Zeiten von Messengerdiensten ist es gefährlich in eine kleine Nachricht alles Mögliche hineinzuinterpretieren.
Empathisch zu reagieren bedeutet jedoch nicht, dass wir alles gut heißen müssen, jedes Verhalten oder jede Emotion. Vielmehr geht es darum Gefühle ernst zu nehmen und dem Gegenüber zu signalisieren, dass man ihn sieht.
Dann kommt da noch das Arbeitsleben. Da wird die Empathie vollkommen unterschätzt. Gute Führungskräfte führen empathisch, doch in vielen Firmen ist das eher verpönt. Das habe ich selbst auch schon erlebt. Mir wurde damals sogar gesagt ich solle hier nicht die Mutter Teresa spielen.
Vorgesetzte kritisieren oft einen Einzelnen vor dem ganzen Team: „Das war wieder total unprofessionell.“
Oder ein Kollege unterbricht ständig andere und nimmt deren Ideen oder Einwände überhaupt nicht ernst. Und ganz fatal wird es, wenn eine Führungskraft Überlastungssignale im Team ignoriert und mit den Worten „Da müssen wir nun halt mal durch.“ kommentiert und damit alles noch viel schlimmer macht. So entstehen übrigens innere Kündigungen. Solches Verhalten führt unweigerlich auch zu Misstrauen, Demotivation und Frustration. Jemand, der derart missachtet wird, ist nur noch schwer zu motivieren und wird nur noch „Dienst nach Vorschrift“ machen.
Dabei ist es ganz einfach mit Empathie zu führen. Stellt ein Vorgesetzter z.B. fest, dass ein Projekt nicht so gut lief, dann kann er im 4-Augen-Gespräch den Mitarbeiter fragen, woran es seiner Meinung nach gelegen hat. Bemerkt man Stress im Team kann auch mal gefragt werden: „Kann ich helfen?“
Kommt ein Mitarbeiter morgens zur Arbeit und sieht schlecht aus, dann darf der Chef auch mal auf denjenigen zugehen und fragen, was los ist.
Empathie schafft auf Dauer Vertrauen. Wer sich gesehen und wertgeschätzt fühlt, übernimmt auch mal gerne mehr Verantwortung, ist zufriedener und bringt meistens auch eine bessere Leistung. Und wenn dann alle Menschen sich bemühen empathisch zu reden und zu handeln, dann wird sogar die Welt etwas friedlicher.
