Viele denken, dass emotionale Intelligenz so ein Wischi-Waschi-Ding ist. Wird völlig überbewertet, ist Schi-Schi, ist ein typisches Frauending, damit kommt man nicht weiter.
Weit gefehlt.
Emotionale Intelligenz ist auch nicht einfach nur „nett sein.“
Weit gefehlt.
Es ist vielmehr die Fähigkeit mit den eigenen Gefühlen und denen der anderen ganz bewusst und klug umzugehen.
Sie ist eine Kombi-Packung aus fünf Bereichen:
- Selbstwahrnehmung – ich merke, wie ich mich gerade fühle
- Selbstregulation – ich kann mit diesen Gefühlen gut umgehen und lasse mich nicht von ihnen steuern.
- Motivation – innerer Antrieb ist mein Motor, keine Belohnungen im Außen.
- Empathie – ich erkenne bewusst was andere fühlen
- Soziale Kompetenz – ich gestalte Beziehungen konstruktiv
Am wichtigsten ist dabei aus meiner Sicht die Selbstreflexion.
Wenn ich es nicht schaffe kurz innezuhalten und mich zu fragen „Warum hat mich das gerade so angetriggert?“, dann bleibe ich weiter im Autopilot und Situtationen können dann leicht eskalieren.
Ein für Viele schwieriger Bereich ist die Kritik. Sobald uns jemand kritisiert, ob privat oder im Berufsleben, kommt oft Ärger hoch. Hier ist es sinnvoll nicht sofort aus allen Rohren zurückzuschießen, sondern wahrnehmen „Gut, ich fühle mich jetzt gerade angegriffen.“ Dieser kleine Moment der Selbstreflexion kann einen Konflikt schon entschärfen.
Anderes Beispiel: Ein Freund oder eine Freundin sagt spontan ein schon lange geplantes Treffen mit dir ab.
Anstatt sauer zu sein und zu denken „Mit der mach ich nix mehr aus.“- kannst du auch klug reagieren und mal kurz nachfragen, weshalb das Treffen abgesagt wurde. Ich sage mir oft „Jeder Mensch hat einen Grund, weshalb er etwas Bestimmtes tut.“ – Nachfragen statt zu interpretieren.
Im Berufsleben gibt es zahlreiche Situationen, die uns, wenn wir sie mit emotionaler Intelligenz angehen, nicht mehr so aus der Bahn werden. Denken wir mal an ein Feedbackgespräch. Du erhältst Kritik. Handelst du ohne emotionale Intelligenz, dann gehst du sofort in die Opferrolle, rechtfertigst dich und ziehst dich zurück. Mit emotionaler Intelligenz denkst du „Okay, es trifft mich, aber erstmal höre ich jetzt zu und lasse es sacken.“
Wenn sich zwei Mitarbeiter streiten, kann das für einen Vorgesetzen auch herausfordernd werden. Hier gilt es erst völlig neutral die Fakten abzuchecken, die verletzten Gefühle zu erkennen und dann gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.
Das Thema „Selbstzweifel“ kommt im Berufsalltag auch oft vor. Ist z.B. eine Präsentation nicht so gut gelaufen, dann reflektiere. Was war mein Anteil daran? Was kann ich beim nächsten Mal besser machen? Das ist Selbstführung.
Oder, du hast einen völlig unmotivierten Mitarbeiter oder Kollegen. Er muss nicht zwingend faul sein, frag dich stattdessen „Was genau steckt hinter seinem Verhalten?“. Ist er überfordert oder hat er private Herausforderungen?
Die Selbstreflexion ist ein zentraler Punkt in Bezug auf emotionale Intelligenz.
Sie ist ein innerer Spiegel, der dir hilft zu erkennen, welche Situationen dich genau antriggern, welche Muster sich wiederholen und reagiere ich oder handele ich.
Reflektieren wir uns nicht selbst, dann bleiben wir ewig in alten Mustern hängen und es ändert sich nichts. Mit Selbstreflexion haben wir die Wahl, wie wir weiter agieren.
Ein selbstreflektierter Mensch darf natürlich auch starke Gefühle haben, er hat aber die Freiheit wie er damit umgeht.
Probier’s einfach mal aus.
